LEHRMITTEL ISOLIERSPENGLER/IN EFZ  ·  DÄMMTECHNIK

Thermische Dämmsysteme

Ausführungsbeschriebe für die Isolation von Leitungen und Behältern — vom PIR-Hartschaum im Kältebereich bis zur Keramikdämmung an der Reaktorleitung, mit Beispielzeichnungen aus dem Lehrmittel.

ZWEIG 1
PIR-Hartschaum
–40 bis 90 °C
ZWEIG 2
FEF-Kautschuk
–40 bis 18 °C
ZWEIG 3
PU-Schaum
Ortsschäumung · –40 bis 18 °C
ZWEIG 4
Mineralwolle
20 bis 650 °C
ZWEIG 5
Keramik & Lamellmatte
bis 1100 °C
ABSCHLUSS
Praxis-Hinweise
Regeln für alle Systeme
Lehrmittel Isolierspengler/in EFZ  ·  ISOL SUISSE  ·  Seiten 130–137
Zweig 0 · Überblick

Fünf Systeme, ein Raster: das Temperaturband

Jede Ausführung im Lehrmittel lässt sich über ihr Temperaturband einordnen. Diese Folie liefert den Überblick, die folgenden Folien zeigen jeweils einen Hauptzweig mit einer Beispielzeichnung.

Die Temperaturbänder

  • PIR-Hartschaum: –40 bis 90 °C — Heizungs-, Warmwasser- und Kälteleitungen
  • Synthetischer Kautschukschaum (FEF): –40 bis 18 °C — Kälte, Klima und Kaltwasser
  • PU-Schaum als Ortsschäumung: –40 bis 18 °C — Kühlräume, Behälter und Leitungen
  • Mineralwolle: 20 bis 650 °C — Wärmedämmung, Dampfleitungen und Schallschutz
  • Keramik mit Lamellmatte: ca. 650 bis 1100 °C — Reaktorleitungen chemischer Anlagen

Gemeinsame Grundregeln

  • Rostschutzanstrich vor jeder Dämmung: Er erfolgt bauseitig und grundsätzlich nicht durch die Isolierspengler/innen; er schützt das Rohr vor Korrosion.
  • Schalen immer versetzt sattgestossen — so entsteht keine durchgehende Wärmebrücke an den Stossfugen.
  • Aussenabschluss in drei Varianten: roh, Mantel aus PVC oder Mantel aus Feinblech (Alu, V2A, V4A oder Fe).
Merke: Das Medium bestimmt das System — ist es kälter als die Umgebung, ist eine Dampfbremse zwingend; ab ca. 650 °C kommt Keramik zum Einsatz.
Zweig 1 · PIR-Hartschaum

PIR-Hartschaum: trocken angesetzt, versetzt sattgestossen

PIR (Polyisocyanurat) ist ein steifer Hartschaum aus der Familie der Polyurethanschäume. Fertige Schalen dämmen Leitungen von –40 bis 90 °C — die Ausführungen unterscheiden sich in der Fugendichtung und im Aussenabschluss.

Querschnittsdiagramm einer Heizungsleitung mit PIR-Schalen und geschlossenem PVC-Mantel
Heizungsleitung mit PIR-Schalen und geschlossenem PVC-Mantel als Aussenabschluss (Lehrmittel S. 130).

Heizungsleitungen · 10 bis 90 °C

  • Trocken angesetzt: ohne Kleber und ohne Feuchtigkeit.
  • Versetzt sattgestossen: die Schalen liegen ohne Spalt fest aneinander.
  • Gebunden mit galvanisiertem Draht; Aussenabschluss roh, aus PVC oder aus Feinblech.

Kälteleitungen · –40 bis 10 °C

  • Schutz vor Kondensat und Energieverlust — feuchte Luft darf zum kalten Rohr nicht vordringen.
  • Kunststoffvariante: flüssiger Kunststoff → Baumwollbandage → Kunststoff — der Überstrich wirkt als Dampfbremse; nur plastifizierten Draht verwenden, das Lösungsmittel greift blanken Stahldraht an.
  • Bitumenvariante: Bitumen ersetzt den flüssigen Kunststoff; gebunden wird ebenfalls mit galvanisiertem Draht.
Zweig 2 · FEF-Kautschukschaum

FEF-Kautschukschaum: elastisch und dicht verklebt

Synthetischer Kautschukschaum (FEF) ist weich und elastisch, arbeitet im Temperaturbereich von –40 bis 18 °C und schützt Leitungen und Behälter vor Kondenswasser und Eisbildung.

Technische Zeichnung einer Kautschukschaum-Isolierung mit Feinblech auf PE-Streifen
Kautschukschaum-Isolierung mit Feinblech aus Alu, V2A, V4A oder Fe auf PE-Streifen (Lehrmittel S. 133).

Eigenschaften & Verarbeitung

  • Weich, elastisch und geschlossenporig — nimmt praktisch kein Wasser auf; eine separate Dampfsperre ist nicht nötig.
  • Kaltschweissung: die Schaumschale wird rund um das Rohr mit Kontaktkleber dicht verklebt.
  • Alle Nähte müssen sauber verklebt werden.

Einsatz & Aussenabschluss

  • Einsatz: Kälte-, Klima- und Kaltwasserleitungen, Kühlräume, Lüftungskanäle, Armaturen und Behälter.
  • Im Gebäude bleibt die Isolation roh sichtbar; im Freien braucht sie eine Verkleidung oder einen Anstrich.
  • Variante 2: Abdeckung aus Feinblech (Alu, V2A, V4A oder Fe) auf PE-Streifen — auch hier alle Nähte dicht verkleben.
Zweig 3 · PU-Schaum (Ortsschäumung)

PU-Schaum: fugenlos an Ort und Stelle geschäumt

PU-Schaum ist ein Hartschaum aus Polyurethan, der erst auf der Baustelle aufgeschäumt wird. Die Ortsschäumung arbeitet im Temperaturbereich von –40 bis 18 °C und schützt ebenfalls vor Kondenswasser und Eisbildung.

Querschnittsdiagramm einer Ortsschäumung: Hohlraum unter dem Feinblech mit PU-Schaum gefüllt
Ortsschäumung, Zustand nachher: Hohlraum unter dem Feinblech mit PU-Schaum gefüllt, Nähte mit Silikonkitt abgedichtet (Lehrmittel S. 134).

Aufbau der Dämmung

  • Fettbandage trennt Rohr und Schaum voneinander; das Feinblech auf PIR-Klötzli dient als permanente Schalung.
  • Metallische Abstandhalter sind verboten — Metall würde eine Kältebrücke bilden.
  • Alle Nähte werden mit Silikonkitt abgedichtet.

Verarbeitung

  • Das Blech mit Trennmittel einstreichen — Trennmittel verhindert das Anhaften des Schaums.
  • Den Hohlraum durch Bohrlöcher am höchsten Punkt aufschäumen; die Abstände zwischen den Bohrlöchern bleiben unter 50 cm.
  • Typische Objekte: Kühlräume, Kühlbehälter, Grossbehälter und Rohrleitungen.
Zweig 4 · Mineralwolle

Mineralwolle: vom Warmwasser bis zur Dampfleitung

Mineralwolle ist mineralisch und brennt nicht — je nach Anlage übernimmt sie die Wärmedämmung, die Kältedämmung oder den Schallschutz.

Querschnittsdiagramm einer Mineralwolle-Isolierung unter Blechabdeckung
Mineralwolle-Isolierung unter sauber gerundeter Blechabdeckung, Bögen in Segmentform (Lehrmittel S. 135).

Rohrisolation bis 650 °C

  • Schalen oder Matten aus Mineralwolle für Anlagen von 20 bis 250 °C, mit galvanisiertem Draht gebunden.
  • Glaswolle bis +250 °C, Stein- oder Schlackewolle bis +650 °C.
  • Blechabdeckung sauber gerundet; Bögen entstehen in Segmentform, Überlappungen erhalten Halbrundsicken.
  • Befestigung mit Leichtmetall-Popnieten oder rostfreien Blechschrauben; Durchdringungen exakt einfassen.

Drahtnetzmatten · 100 bis 500 °C

  • Steinwolle mit eingenähtem Drahtgeflecht für grosse Dampfleitungen und Dampfkessel.
  • Ab 250 °C verflüchtigt sich das Bindemittel — das Drahtgeflecht hält die Wolle zusammen.
  • Matten mit Drahtnetzmattenhacken zusammenbinden — flexibel und vibrationsfest.

Rohrschallschutz

Gleiches Prinzip wie bei der Wärmedämmung — zusätzlich Antidröhnbelag innenseitig auf dem Blech und Körperschalldämpfung in der bauseitigen Aufhängung.
Zweig 5 · Keramik & Lamellmatte

Keramik-Vordämmung bis 1100 °C

Ab ca. 650 °C kann auch Keramik zum Einsatz kommen, zum Beispiel an den Reaktorleitungen chemischer Anlagen. Keramikfasern vertragen 1100 bis 1400 °C; die Ausführung besteht aus zwei Isolierschichten.

Querschnittsdiagramm einer Reaktorleitung mit Keramik, Drahtnetzmatte und Lamellmatte
Reaktorleitung bis 1100 °C: Keramik heiss, Drahtnetzmatte dämmend, Lamellmatte als Trennung (Lehrmittel S. 136).

Schichtaufbau von heiss nach kalt

  • Keramik auf der heissen Seite — sie senkt die Oberflächentemperatur stark ab.
  • Drahtnetzmatte weiter aussen — sie dämmt besser, weil ihre Wärmeleitfähigkeit kleiner ist.
  • Zwei Lagen Keramik versetzt einbauen — die Fasern schrumpfen bei der ersten Beheizung etwas.

Verarbeitung & Kosten

  • Keramik dient aus Kostengründen meist nur als Vordämmung; die günstigere Mineralwolle dahinter sorgt für die eigentliche Dämmdicke.
  • Die Lamellmatte erleichtert die Verarbeitung und hält Drahtgeflecht und Aluminium auseinander.

Galvanischer Kontakt

Berühren sich zwei verschiedene Metalle elektrisch leitend, korrodiert eines davon schneller. Deshalb ist bei Edelstahlblech neben verzinktem Draht eine Lamellmatte einzuplanen.
Zusammenfassung · Praxis-Hinweise

Regeln, die in jeder Ausführung gelten

Zum Abschluss die Praxis-Regeln aus dem Lehrmittel — sie gelten unabhängig vom Dämmstoff.

Kälte & Dampfbremse

  • Alle Fugen und Nähte dicht — sonst zieht feuchte Luft ins Dämmsystem.
  • Ist das Medium kälter als die Umgebung, ist eine Dampfbremse zwingend.
  • Bei Kältedämmungen sind metallische Abstandhalter verboten; Dämmstoff oder Holz verwenden.
  • In Ammoniakanlagen wird nur plastifizierter Binddraht verwendet.

Blech & Montage

  • Vor jeder Dämmung erhält das Rohr einen Rostschutzanstrich. Dieser erfolgt jeweils bauseitig; der/die Isolierspengler/in führt ihn grundsätzlich nicht selbst aus.
  • Im Gebäude darf die Isolation roh bleiben; im Freien braucht sie immer einen Schutz: Blech oder Anstrich.
  • Blechabdeckungen erhalten sauber gerundete Bögen in Segmentform; Längs- und Querüberlappungen erhalten Halbrundsicken.
Merke: Schalen werden immer versetzt sattgestossen — so entsteht keine durchgehende Wärmebrücke an den Stossfugen.

Quelle: Lehrmittel Isolierspengler/in EFZ (ISOL SUISSE), Dämmtechnik/Thermische Dämmsysteme, S. 130–137, Stand 18.10.2026.

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